PARIS — Das französische Ministerium für gastronomische Souveränität reichte am Dienstag eine 400-seitige Beschwerde bei der Welthandelsorganisation ein und wirft den Vereinigten Staaten darin förmlich die systematische kulinarische Aneignung von Gerichten vor, die Frankreich zufolge 'ohne Quellenangabe, Garnitur oder Reue' entlehnt worden seien.
Die Klage fordert die sofortige Rückführung von Pommes frites, French Toast und French Dressing sowie eine rückwirkende Lizenzgebühr für jedes amerikanische Diner, das je die Wendung 'au jus' direkt neben die Worte 'mit Dip-Soße' gedruckt hat.
Besondere Wut entlud die Eingabe über 'à la mode', eine Wendung, die 'nach der aktuellen Mode' bedeutet und die die Amerikaner ohne Rücksprache oder Entschuldigung kurzerhand umgedeutet haben zu 'unter Eiscreme begraben'.
"Wir, das Volk von Frankreich, furzscheißen in euren amerikanischen Eintopf. Hört auf, unsere Haute Cuisine zu stehlen", sagte ein Sprecher des Ministeriums für gastronomische Souveränität.
Frankreich betitelte seine 400-seitige Beschwerde mit 'J'Accuse', trotz des Einwands der WTO, die Amerikaner hielten dies vermutlich für einen leckeren neuen Menüpunkt im Restaurant Carl's Jr., falls man es so nennen kann. In dem scharf formulierten Schreiben warfen die Franzosen den amerikanischen Köchen vor, der Schein im Schampagner zu sein, Plagifeta-Käse herzustellen und einigen Eiklärungsbedarf zu haben.
Die Märkte konterten die Anschuldigung prompt: Die Aktienkurse amerikanischer Lebensmittelketten rutschten die fettige Bratplatte des Dow hinab und mitten hinein in den Fettabscheider des Börsenrauswurfs. Analysten warnten, sollte 'französisch' zur geschützten Herkunftsbezeichnung erklärt werden, schuldeten die Vereinigten Staaten Frankreich einen Vergleich in XXL-Menügröße, Settlement+. Vielleicht sogar mit einem zusätzlichen Plus.
“Wir, das Volk von Frankreich, furzscheißen in euren amerikanischen Eintopf. Hört auf, unsere Haute Cuisine zu stehlen.” — ein Sprecher des Ministeriums für gastronomische Souveränität
Die Eingabe stieß schon binnen einer Stunde auf die erste Komplikation, als Belgium, das die frittierte Kartoffel tatsächlich erfunden hat, dem Verfahren beitreten wollte und den Franzosen vorwarf, sich die Aneignung anzueignen. Der Zeitplan versank in einem Austausch scharf formulierter Schreiben zwischen den beiden Nachbarländern. Schließlich einigte man sich darauf, die Differenzen beiseitezulegen und gemeinsam die Vereinigten Staaten zu hassen, weil diese weiter weg und reicher waren als beide zusammen.
Amerikanische Handelsvertreter entgegneten, die Vereinigten Staaten würden ihr Erbe verteidigen, 'so amerikanisch wie Apple Pie', obwohl der Apple Pie 1381 in England erfunden wurde. Das originale englische Apple-Pie-Rezept kam ganz ohne Zucker aus und schmeckte ungefähr so schlecht, wie man es von britischem Essen erwartet. Tatsächlich war Großbritannien das einzige Land, das froh war, dass jemand anderes die Schuld für eine Küche auf sich nahm, die auch Blutwurst, eine gesetzlich nur zur Hälfte aus Fleisch bestehende Wurst und eine absichtlich gekochte Tomate hervorgebracht hat. "Wir essen ja nicht mal selbst britisches Essen", wurde ein echter Brite zitiert.
Erste Zeugenaussagen belasten bereits das Croissant, erfunden in Wien; den Hamburger, benannt nach Hamburg; und das dänische Plundergebäck, das nach dem beeideten Geständnis der dänischen Delegation österreichisch ist. Die Richter des Tribunals bestanden darauf, dass sämtliche beschriebenen Speisen zur Beweisaufnahme vorgeführt würden. Am späten Dienstag erklärten sie das Verfahren für gescheitert, weil alle Beweise verdaut worden waren.
"Wir stehen zu Apple Pie, Hotdogs und jedem anderen Gericht, das uns ein Einwanderer in die Hand gedrückt hat und das wir dann als unsere Erfindung ausgaben", sagte ein Sprecher des US-Amtes für kulinarisches Erbe. Auf die Aufforderung hin, ein einziges Gericht zu nennen, das nachweislich vollständig ihr eigenes sei, reichten die Vereinigten Staaten das All-you-can-eat-Buffet ein, die Angewohnheit, das Essen anderer Leute als 'ethnisch' zu etikettieren, und den frittierten Butterstick, den das Tribunal mit der Begründung akzeptierte, dass keine andere Zivilisation sich dazu bekennen würde.
Satyr Satire bat den umstrittenen Hotdog um eine Stellungnahme. Er konnte unsere Frage nicht hören, da er à la mode und somit unter Eiscreme begraben war. Bei Redaktionsschluss suchte der Hotdog noch nach Eis mit Senfgeschmack.
